Echte Authentizität als Machtfaktor

Authentizität geistert immer wieder durch die Trainingsgazetten. Eine Fraktion hält sie als Charaktereigenschaft für unbedingt wichtig, eine andere sogar für erfolgsschädlich. Wieso beide Fraktionen von ihrem Standpunkt aus Recht haben und wird im Folgenden diskutiert. Daran schließt sich eine neue Definition von Authentizität an, die über Standpunkte hinausgeht und vereint.

Was Authentizität “offiziell” ist

Der Fremdwörterduden definiert Authentizität als “Echtheit, Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit”. Mit dieser Definition wird sofort klar, dass man in herausfordernden Situation authentisch auftretend die besseren Karten hat: Dadurch, dass man echt, zuverlässig und glaubwürdig auftritt, kann man seinen Einfluss besser (und meistens auch müheloser) zur Geltung bringen.

Authentizität benötigt als Grundvoraussetzung die Freiheit von gespielten Rollen, von Unwahrheiten, von Fassaden, von Standpunkten, von denen man selbst nicht überzeugt ist.

Man muss das sagen, was man denkt. Man muss das tun, was man sagt. Man muss sein, was man tut.

Die lieben Emotionen und Gefühle erschweren im kühlen, distanzierten Geschäftsleben ein authentisches Dasein. Während ein freundliches, häufig  sogar ein fröhliches Auftreten noch gern gesehen wird, können gezeigte Angst, Wut oder Unsicherheit schnell Karrierekiller werden. Um diese Emotionen streiten dann auch gerne die beiden obengenannten Fraktionen. Eine Fraktion meint, man muss Emotionen zeigen, eine, dass diese Emotionen auf jeden Fall zu verbergen sind.

Viel besser: Man besitzt sie erst gar nicht. Dann kann man authentisch sein, ohne einen Karrierekiller ausleben zu müssen. Beide Fraktionen sind vereint.

Ein neuer Ansatz

Hier nun die Definition, die die Idee des letzten Absatzes aufgreift:

Authentizität ist die Freiheit von inneren Konflikten

Besitzt man keine innere Konflikte, gibt es weder Angst noch Wut noch Unsicherheit. Besitzt man keine inneren Konflikte, braucht man keine Rollen zu spielen, muss man keine Standpunkte vertreten, die man nicht mag, braucht man nicht mehr schauzuspielern, da man echt sein kann. Dann kann man echt sein, ohne am eigenen Karrierestuhl zu sägen. Und man kann gelassen, und wenn es sein muss, auch kraftvoll auftreten und entscheiden.

Mit dieser Definition wird Authentizität nicht etwas, was man hat oder nicht. Authentizität wird zu einer Charaktereigenschaft, die man sich normalerweise Stück für Stück durch Persönlichkeitsentwicklung erarbeiten muss. Kern der Authentizitätsarbeit ist der angemessene Umgang mit den eigenen Emotionen. Verlieren behindernde Emotionen an Macht und Einfluss, werden Sie automatisch, ohne es verhindern zu können, authentischer. Denn gerade Emotionen mit ihren häufig behindernden Einflüssen sind echt Authentizitätskiller.

 

 

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Emotion, Gefühl und Persönlichkeitsentwicklung

Wer kennt nicht diese schöne Redewendung, dass “Herz und Verstand im Einklang sein sollen”. Die emotionale Anteile sollen mit intellektuellen Anteilen an einem Strang ziehen, um erfolgreich zu sein. Doch dieses Wunschdenken muss näher beleuchtet und präzisiert werden, um die tieferen Erfolgszusammenhänge aufzeigen zu können.

Was ist Emotion, was ist Gefühl?

Emotionale Anteile entstehen im Gehirn aufgrund mehrerer unterschiedlicher Mechanismen. Zwei dieser Mechanismen beeinflussen den möglichen Erfolg enorm. Da die Literatur diese Mechanismen nicht mit eindeutigen Vokabeln konsequent unterscheidet, müssen zum einfacheren Verständnis erst Begriffe definiert werden.

Eine Emotion entsteht durch einen äußeren Auslöser, den das Gehirn mit einer vergangenen Situation in Verbindung bringt. Dabei erzeugt das Gehirn genau die Emotion, die in der prägenden Situation hilfreich war. Ob diese prägende Situation 1, 5,  20, 40, oder 80 Jahre zurückliegt, ist unerheblich. Genauso ist unerheblich, ob der äußere Auslöser tatsächlich in Zusammenhang steht oder nicht: Geht das Gehirn von einem Zusammenhang aus, wird die Emotion erzeugt.

Ein Gefühl ist eine emotionale Reaktion auf einen aktuellen Auslöser, die keinerlei Wurzeln in der Vergangenheit hat und alleine auf der Gegenwart beruht.

Ein Beispiel verdeutlicht den Unterschied und zeigt auch gleich auf, wo bei den Emotionen die Crux liegt. Bedroht einen Hund mit fletschenden Zähnen und Sprung- und Beißbereitschaft einen Menschen, so sind dessen emotionale Reaktionen Gefühle. Die Situation ist in der Tat gefährlich. Ist man vor 20 Jahren von einem Hund gebissen worden und hat heute selbst dann Angst, wenn ein friedliebender, kleiner Hund entspannt neben Frauchen dahindackelt, handelt es sich bei der Angst um eine Emotion. Ist man allerdings vor vielen Jahren gebissen worden und steht der zähnefletschende Hund einem sprungbereit gegenüber, sind wahrscheinlich Emotionen und Gefühle aktiv.

Konsequenzen von Emotionen

Wichtig ist auf jeden Fall die Feststellung, dass die Emotionen in der damaligen Situation im damaligen Alter mit damaligen Wissen und Fähigkeiten und der damaligen Macht und Kraft optimal waren. Eben damals.

Und hier liegt eben die Crux: Heute passen viele Situationen nicht mehr zu den Prägenden. Wissen, Fähigkeiten, Macht, Kraft und Verantwortung haben sich verändert, meistens zugenommen. Konnte das kleine Kind mit gespielten Gejammer auf der Nase herumtanzen und sich zum Beispiel an der Kasse Süßigkeiten erjammern oder erbetteln, ist dieses Verhalten für erfolgreiche Erwachsene kaum denkbar. Doch was bei diesem Beispiel unmittelbar einleuchtet, wirkt genau so in Konflikten, im Umgang mit Autoritäten, Chefs und Mitarbeitern, bei Lernbereitschaft und Entscheidungen mit ungewissen Folgen: “Bewährte Emotionen werden (meistens unbewusst und automatisch) wiederholt. Und dann leider meistens unbewusst und stark einschränkend. Zur Verdeutlichung: Sie wissen ja, wie alt Sie waren und welche Fähigkeiten Sie damals hatten, als das alles begann. Was Sie tun mussten, um Erfolg zu haben oder zu den Gruppen “Familie” oder “Freunde” dazu zugehören.

Emotionen bringen neben diesen Effekten, die alleine schon Erfolg beliebig erschweren oder gar verhindern können, noch eine andere “Unschönheit” mit: Emotionen sind im täglichen Leben fast immer stärker als die Gefühle, die ja aus der gegenwärtigen Situation entspringen und überlagern die Gefühle: Emotionen machen Gefühle quasi mundtot. Und das ist schade, da die Gefühle viel mehr Aufschluss über geschicktes Handeln geben als die Vergangenheit. Menschen mit zu vielen Emotionen leben gar nicht mehr in der Gegenwart und sind nur noch vergangenheitsgetrieben. Egal wie unterschiedlich die Situationen des Lebens erscheinen mögen: Vergangenheitsgetriebene Menschen erleben immer wieder ein- und dasselbe in anderen Farben, mit anderen Menschen in scheinbar anderen Situationen. Boris Becker bespielsweise mit seinen immer optisch ähnlichen Frauen und den immer ähnliche Beziehungsproblemen hat es sogar als Namensgeber zum sogenannten “Boris-Becker-Phänomen” im Bestseller “Liebe dich selbst und es ist egal wen du heiratest” gebracht. Emotionen sind mächtiger als man im ersten Moment glaubt. Nicht nur in der Beziehung, sondern auch im Beruf!

Zur Ehrenrettung der Emotionen sei folgendes gesagt: Diese Mechanismen sind sehr hilfreich, wenn die Prägung sinnvoll und im richtigen Alter erfolgt. Doch heutzutage beginnen emotionale Prägungen häufig zu früh, zu intensiv und zu einschränkend. Was Anlass für einen späteren Artikel im Blog sein wird. Übrigens: Auch hier geht es nicht um Schuld, es ist lediglich eine Feststellung. Weshalb die Schuldfrage keinem hilft, lesen sie  hier.

Weshalb die aktive Persönlichkeitsentwicklung so wichtig ist.

Emotionen schränken mehr ein, als einem lieb ist:

  • Die Anzahl der Entscheidungsalternativen sinkt: Emotional besetzte Alternativen werden je nach Bezug zur Vergangenheit bevorzugt oder benachteiligt.
  • Sind Emotionen aktiv, gehen Handlungen und Sprache die Lockerheit verloren; die Effizienz sinkt.
  • Gefühle, die ja im Gegensatz zu Emotionen in die Gegenwart gehören, werden bei aktiven Emotionen nur eingeschränkt wahrgenommen.
  • Alles über die 5 Sinne Augen, Ohren, Haut, Zunge, Nase wird nicht mehr optimal wahrgenommenen und weiterverarbeitet. Das schwächt viele berufliche und private Entscheidungen, da die Datenbasis, auf die die Entscheidung fußt, nicht optimal ist.

Persönlichkeitsentwicklung heißt in Zusammenhang mit Emotionen und Gefühlen, Macht und Einfluss behindernder Emotionen zu schwächen. Das kann zum Beispiel durch Entspannungstrainings, Willens- und Konzentrationstrainings und durch direkter Arbeit mit Emotionen erfolgen. Damit Entscheidungen zielgerichteter, Handlungen produktiver und schlagkräftiger, Kommunikation effektiver und effizienter wird. Und was in beruflichen Zusammenhängen gerne vergessen wird: Das Leben wird gelassener und fröhlicher, es prickelt wieder mehr.

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Die “Schuld” sabotiert das Lernen

Möchte man herausfordernde Ziele erreichen oder sollen Gruppen bei angenehmen zwischenmenschlichem Klima produktiv sein, braucht es eine dazu passende Lebenseinstellung. Ein lockerer Umgang mit dem Versagen wurde letzte Woche beschrieben. Genauso interessant und genauso wichtig ist der Umgang mit “Schuld”.

Schuldige werden schnell gesucht, wenn Rückschläge bei der Umsetzung von Zielen auftreten oder anderes Unerwünschtes erlebt wird. Hat man den Schuldigen ermittelt, kann man sich beruhigt zurücklehnen, wenn es nicht einen selbst getroffen hat. Umso stärker trifft es einen selbst, wenn man es selbst ist oder sein soll. Doch was bewirkt Schuld eigentlich?

Schuld polarisiert — es teilt ein in Schuldige und Unschuldige. Die Schuldigen müssen sich ändern, die Unschuldigen nicht. Dabei geht es nur bedingt um die Wahrheit. Schuld ist immer auch ganz eng damit verknüpft, wer Macht in Gruppen hat. Der Mächtige hat immer eher den Nimbus des Unschuldigen. Wer den Mächtigen im Weg steht, wird gerne abgestempelt. Insbesondere, wenn er sich nicht wehren kann oder will. Ein Sündenbock wird zum Spielball der Mächtigen, damit diese ihre Hände in Unschuld waschen können.

Bei genauerer Betrachtung vieler Unglücke dieses Jahrtausends, die auf technisches oder menschliches Versagen zurückzuführen sind, stellt man fest, dass mehrere, manchmal sogar viele Menschen ihren eigenen Anteil zum Versagen beigetragen haben. Der Anteil eines Einzelnen kann dabei fast vernachlässigbar sein. Die Akkumulation dieser einzelnen Anteile führt dann im Unglücksmoment zur Eskalation mit großem Schaden.

Auch in zerstrittenen und / oder nicht funktionierenden  Gruppen stellt man fast immer fest, dass mehrere, wenn nicht gar alle mit ihrem “Beitrag” das Optimum sabotieren. Auch hier gibt fast nie einen “Schuldigen”, sondern fast immer das Aufeinanderprallen von nicht zusammenpassenden Verhaltensweisen und / oder Emotionen.

Rückt man von der Frage nach den Schuldigen ab und beginnt mit einer verurteilungsfreien  Analyse des nicht gewollten Erlebens, lassen sich die einzelnen Anteile der Beteiligten rekonstruieren. Bemerken diese, dass man nicht verurteilen, sondern Ursachenforschung zur Verhinderung ähnlicher zukünftiger Situationen betreiben möchte, hat sogar Kooperation eine Chance. Denn Lernen möchte fast jeder, wenn der Karren im Dreck steckt.

So kann gerade der Karren im Dreck Veränderungsprozesse in Gang bringen, die bei “irgendwie Funktionierendem” nicht möglich wären. So meinte auch ein Unternehmensberater gerne: “In der Krise liegt die Kraft.” Diese Veränderungsprozesse können so effektiv werden, dass sie alle als Wohltat und Fortschritt empfinden. Vielleicht von denen abgesehen, die in die Suche von Schuldigen geradezu verliebt sind, um vom eigenen Anteil abzulenken.

 

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Versagen dürfen

Erfolg möchte jeder haben. Doch desto höher die Latte gelegt wird, desto größer das gesteckte Ziel ist, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, sein Ziel nicht zu erreichen, zu “versagen”. Hier nun eines der wichtigsten Erfolgsgeheimnisse: Erfolg braucht einen lockeren Umgang mit Rückschlägen. Rückschläge gehören bei Erfolgreichen zum täglich Brot. Denn Erfolgreich zu sein, heißt aus jedem, aber auch aus jedem Rückschlag gelernt und nicht aufgegeben zu haben.

Versagensängste lähmen geistig. Sie engen den Blick ein und erschweren das Denken. Und erst recht erschweren sie mutige, neuartige, unkonventionelle Entscheidungen und Handlungen. Und gerade große Ziele brauchen Mut, Neuartiges und Unkonventionelles auszuprobieren und umzusetzen.

Versagensängste erzeugen Druck. Dieser Druck lässt schnell alle Lebensfreude und Gelassenheit verfliegen. Weshalb die Umsetzung von Zielen bei Versagensängsten schnell zur Selbstfolter wird. Druck und Lähmung fördern geradezu das Versagen. Weshalb es dann auch eintritt. So entstehen selbsterfüllende Prophezeiungen.

So braucht Erfolg eine innere Haltung, bei der das Erreichen von Zielen wichtig ist, Einsatz benötigt, aus Rückschlägen jedoch lernt, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Dazu gehört häufig auch, dass Ziele zwar wichtig, aber nicht alles sind. Genauso wichtig ist es, sich selbst in all seinen Facetten so anzunehmen, wie man ist. Dann existiert die innere Ruhe, aus der die sprichwörtliche innere Kraft stammt. Die die notwendigen Lernschritte einschließlich der unkonventionellen Handlungen ermöglicht. Die einen Ziele erreichen lässt, ohne Versagensängste zu besitzen. Was dann auch eine selbsterfüllende Prophezeiung ist. Aber eine mit ganz anderem Ausgang.

 

 

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