Wer kennt nicht diese schöne Redewendung, dass “Herz und Verstand im Einklang sein sollen”. Die emotionale Anteile sollen mit intellektuellen Anteilen an einem Strang ziehen, um erfolgreich zu sein. Doch dieses Wunschdenken muss näher beleuchtet und präzisiert werden, um die tieferen Erfolgszusammenhänge aufzeigen zu können.
Was ist Emotion, was ist Gefühl?
Emotionale Anteile entstehen im Gehirn aufgrund mehrerer unterschiedlicher Mechanismen. Zwei dieser Mechanismen beeinflussen den möglichen Erfolg enorm. Da die Literatur diese Mechanismen nicht mit eindeutigen Vokabeln konsequent unterscheidet, müssen zum einfacheren Verständnis erst Begriffe definiert werden.
Eine Emotion entsteht durch einen äußeren Auslöser, den das Gehirn mit einer vergangenen Situation in Verbindung bringt. Dabei erzeugt das Gehirn genau die Emotion, die in der prägenden Situation hilfreich war. Ob diese prägende Situation 1, 5, 20, 40, oder 80 Jahre zurückliegt, ist unerheblich. Genauso ist unerheblich, ob der äußere Auslöser tatsächlich in Zusammenhang steht oder nicht: Geht das Gehirn von einem Zusammenhang aus, wird die Emotion erzeugt.
Ein Gefühl ist eine emotionale Reaktion auf einen aktuellen Auslöser, die keinerlei Wurzeln in der Vergangenheit hat und alleine auf der Gegenwart beruht.
Ein Beispiel verdeutlicht den Unterschied und zeigt auch gleich auf, wo bei den Emotionen die Crux liegt. Bedroht einen Hund mit fletschenden Zähnen und Sprung- und Beißbereitschaft einen Menschen, so sind dessen emotionale Reaktionen Gefühle. Die Situation ist in der Tat gefährlich. Ist man vor 20 Jahren von einem Hund gebissen worden und hat heute selbst dann Angst, wenn ein friedliebender, kleiner Hund entspannt neben Frauchen dahindackelt, handelt es sich bei der Angst um eine Emotion. Ist man allerdings vor vielen Jahren gebissen worden und steht der zähnefletschende Hund einem sprungbereit gegenüber, sind wahrscheinlich Emotionen und Gefühle aktiv.
Konsequenzen von Emotionen
Wichtig ist auf jeden Fall die Feststellung, dass die Emotionen in der damaligen Situation im damaligen Alter mit damaligen Wissen und Fähigkeiten und der damaligen Macht und Kraft optimal waren. Eben damals.
Und hier liegt eben die Crux: Heute passen viele Situationen nicht mehr zu den Prägenden. Wissen, Fähigkeiten, Macht, Kraft und Verantwortung haben sich verändert, meistens zugenommen. Konnte das kleine Kind mit gespielten Gejammer auf der Nase herumtanzen und sich zum Beispiel an der Kasse Süßigkeiten erjammern oder erbetteln, ist dieses Verhalten für erfolgreiche Erwachsene kaum denkbar. Doch was bei diesem Beispiel unmittelbar einleuchtet, wirkt genau so in Konflikten, im Umgang mit Autoritäten, Chefs und Mitarbeitern, bei Lernbereitschaft und Entscheidungen mit ungewissen Folgen: “Bewährte Emotionen werden (meistens unbewusst und automatisch) wiederholt. Und dann leider meistens unbewusst und stark einschränkend. Zur Verdeutlichung: Sie wissen ja, wie alt Sie waren und welche Fähigkeiten Sie damals hatten, als das alles begann. Was Sie tun mussten, um Erfolg zu haben oder zu den Gruppen “Familie” oder “Freunde” dazu zugehören.
Emotionen bringen neben diesen Effekten, die alleine schon Erfolg beliebig erschweren oder gar verhindern können, noch eine andere “Unschönheit” mit: Emotionen sind im täglichen Leben fast immer stärker als die Gefühle, die ja aus der gegenwärtigen Situation entspringen und überlagern die Gefühle: Emotionen machen Gefühle quasi mundtot. Und das ist schade, da die Gefühle viel mehr Aufschluss über geschicktes Handeln geben als die Vergangenheit. Menschen mit zu vielen Emotionen leben gar nicht mehr in der Gegenwart und sind nur noch vergangenheitsgetrieben. Egal wie unterschiedlich die Situationen des Lebens erscheinen mögen: Vergangenheitsgetriebene Menschen erleben immer wieder ein- und dasselbe in anderen Farben, mit anderen Menschen in scheinbar anderen Situationen. Boris Becker bespielsweise mit seinen immer optisch ähnlichen Frauen und den immer ähnliche Beziehungsproblemen hat es sogar als Namensgeber zum sogenannten “Boris-Becker-Phänomen” im Bestseller “Liebe dich selbst und es ist egal wen du heiratest” gebracht. Emotionen sind mächtiger als man im ersten Moment glaubt. Nicht nur in der Beziehung, sondern auch im Beruf!
Zur Ehrenrettung der Emotionen sei folgendes gesagt: Diese Mechanismen sind sehr hilfreich, wenn die Prägung sinnvoll und im richtigen Alter erfolgt. Doch heutzutage beginnen emotionale Prägungen häufig zu früh, zu intensiv und zu einschränkend. Was Anlass für einen späteren Artikel im Blog sein wird. Übrigens: Auch hier geht es nicht um Schuld, es ist lediglich eine Feststellung. Weshalb die Schuldfrage keinem hilft, lesen sie hier.
Weshalb die aktive Persönlichkeitsentwicklung so wichtig ist.
Emotionen schränken mehr ein, als einem lieb ist:
- Die Anzahl der Entscheidungsalternativen sinkt: Emotional besetzte Alternativen werden je nach Bezug zur Vergangenheit bevorzugt oder benachteiligt.
- Sind Emotionen aktiv, gehen Handlungen und Sprache die Lockerheit verloren; die Effizienz sinkt.
- Gefühle, die ja im Gegensatz zu Emotionen in die Gegenwart gehören, werden bei aktiven Emotionen nur eingeschränkt wahrgenommen.
- Alles über die 5 Sinne Augen, Ohren, Haut, Zunge, Nase wird nicht mehr optimal wahrgenommenen und weiterverarbeitet. Das schwächt viele berufliche und private Entscheidungen, da die Datenbasis, auf die die Entscheidung fußt, nicht optimal ist.
Persönlichkeitsentwicklung heißt in Zusammenhang mit Emotionen und Gefühlen, Macht und Einfluss behindernder Emotionen zu schwächen. Das kann zum Beispiel durch Entspannungstrainings, Willens- und Konzentrationstrainings und durch direkter Arbeit mit Emotionen erfolgen. Damit Entscheidungen zielgerichteter, Handlungen produktiver und schlagkräftiger, Kommunikation effektiver und effizienter wird. Und was in beruflichen Zusammenhängen gerne vergessen wird: Das Leben wird gelassener und fröhlicher, es prickelt wieder mehr.